Visualisierung als Tauchgangsvorbereitung

Wahrscheinlich kommt dieses Thema jetzt vielen, die mich kennen, ein bisschen seltsam vor. Aber in Wahrheit beschäftige ich mich in meiner eigenen Taucherei recht viel mit diesem Thema. Ich trag es nur nicht in meinem Bauchladen an „Weisheiten“ vor mir her, um andere damit zu nerven.

Tatsächlich bin ich aber fest davon überzeugt, dass bestimmte Techniken zur Visualisierung uns auf verschiedenen Ebenen eines Tauchgangs hilfreich sein können. Für mich zählt die Visualisierung mittlerweile zu meinem Standard Procedure wenn ich mich auf einen Tauchgang vorbereite.  Wobei ich für mich selbst zwischen Visualisierungen in Bezug auf Ausrüstung, Ablauf und Reaktionen bei Problemen unterscheide.

Ausrüstung:

Das Thema Ausrüstung ist etwas, das für jeden Tauchgang ein gewisses Maß an Überlegung braucht. Nicht jeder Tauchgang verlangt die gleiche Ausrüstung. Anzahl der Tanks, Dekogase, redundant mitzuführende Ausrüstungsteile sowie Zusatzequipment wie Lampen, Kameras, Spools, Reels oder SMB´s und Hebesäcke etc., können von Tauchgang zu Tauchgang variieren. Unter Visualisierung verstehe ich in diesem Zusammenhang, dass ich mir vorstelle, in welchem Zusammenhang ich dieses Ausrüstungsteile verwenden werde, wo an meiner Ausrüstung es sich befindet, mit welcher Hand ich es greife und wie ich es verwende.

Nehmen wir als Beispiel meine SMB (Surface Marker Buoy). Bei meiner Ausrüstungskonfiguration ist die Boje in meinem Back Pad, also dem Rückenpolster, verstaut und mit einem Piston Clip (Drehwirbelkarabiner) am rechten seitlichen D-Ring angehängt. Um die Boje einzusetzen, muss ich mich idealerweise auf den Rücken drehen, mit der rechten Hand den Karabiner greifen, den Bolzen am Karabiner betätigen und mit einer Drehbewegung des Handgelenks aus dem D-Ring lösen, um dann die Boje nach unten aus der Tasche herausziehen.

Das mag jetzt banal anmuten, aber gerade in Bezug auf Equipment ist die Visualisierung meiner Erfahrung nach eine große Trainingshilfe, auch wenn sie natürlich das praktische Training niemals ersetzen kann. Es macht das praktische Training auf jeden Fall deutlich effizienter.

Ablauf:

Einen Tauchgang vor unserem geistigen Auge ablaufen zu lassen, bietet die Möglichkeit sich Handlungsabläufe zu Recht zu legen und diese durchzuspielen. Speziell bei anspruchsvollen Tauchgängen oder Tauchgängen bei denen komplexe Aufgaben, wie zum Beispiel Leine legen in einem Wrack oder einer Höhle auf dem Plan stehen, ist es von großem Vorteil, wenn man den Ablauf einige Male durchspielt, auch um eventuell vorhandene Schwachstellen im Tauchplan zu entdecken.

In der Hauptsache geht es dabei aber darum sich vorzustellen, wie sich Dinge wie Tarierung, Atmung und Bewegung im Idealfall unter Wasser anfühlen sollen. Denn je entspannter und fokussierter man einen Tauchgang beginnen kann, umso leichter ist es, während dem Tauchgang in einen Zustand innerer Ruhe und Freude zu kommen. Und schließlich ist es ja so, dass die allermeisten von uns tauchen gehen, um sich zu entspannen und abzuschalten von all den Alltagsproblemen, die täglich auf uns einprasseln. Die Kenntnis des Tauchplatzes ist dabei natürlich von Vorteil aber keineswegs Bedingung, damit es funktioniert.

Reaktion bei Problemen:

In der Reaktion auf mögliche Probleme spielt die Vorbereitung durch Visualisierung eine besondere Rolle. Bis zu einem gewissen Grad beschäftigt sich jeder Taucher von Anbeginn seiner Ausbildung mit „Was – Wenn“- Szenarien. Schon im OWD Kurs übt man den Umgang mit Problemen wie „Wasser in der Maske“ oder wie verhalte ich mich in einer „out of Air“ Situation und so weiter. In diesem Zusammenhang ist die Visualisierung und die mentale Vorbereitung besonders hilfreich, da sie einerseits die Reaktionsfähigkeit aber auch die Reaktionsgeschwindigkeit wesentlich verbessert.

Bei der Visualisierung in Bezug auf Probleme unter Wasser geht es darum sich vorzustellen, wo und wann während des Tauchgangs Probleme bei mir oder jemand anderem im Team auftreten könnten. Gerade bei anspruchsvollen Tauchgängen ist es ja so, dass es Zeitfenster im Tauchgang gibt, an denen sich Pobleme oder Fehler wesentlich gravierender auswirken können als zu anderen Zeitpunkten. Ein Problem, das während des Abstiegs auftritt, ist in so einem Fall in der Regel weniger kritisch, da ich den Tauchgang zu diesem Zeitpunkt ja noch jederzeit abbrechen kann. Ein Problem auf Maximaltiefe oder gar während der Dekompressionsphase hingegen birgt klarerweise ein wesentlich größeres Gefahrenpotential.

Welche möglichen Probleme man dabei in seine Visualisierung miteinbezieht, hat natürlich in erster Linie mit dem Tauchplatz und in zweiter Linie mit meinen Tauchpartnern und dem verwendeten Equipment zu tun.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*